Obwohl unsere durchschnittliche Lebenserwartung beträchtlich gestiegen ist, haben wir uns gesellschaftlich noch nicht darauf eingestellt. Es wäre besser, wenn wir unsere Lebensgestaltung der erhöhten Lebensdauer anpassen würden. Das würde bedeuten, länger arbeiten, gesellschaftlich länger aktiv zu sein und den Ruhestand dennoch länger geniessen zu können, als das unseren Eltern und Grosseltern möglich war. Das erfordert ein Umdenken  des Einzelnen wie auch der ganzen Gesellschaft: u.a. ein vielfältigeres Wohnungsangebot, mehr Arbeit, intensivere Forschung zu Alterserkrankungen und ein stärkeres Eingehen der Dienstleister im sozialen und medizinischen Bereich auf die persönlichen Wünsche ihrer Klienten und Klientinnen. Erst diese Massnahmen werden ältere Menschen in ihrem Bemühen unterstützen, ihr längeres Leben sinnvoll zu gestalten.

Durch den frühen Renteneintritt wurde die Phase, in der Männer und Frauen als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft anerkannt werden, entscheidend verkürzt. Die „gesellschaftliche Lebenserwartung“ sank dadurch stark. Wir sollten ältere Menschen in der Vorphase des Ruhestands absolut nicht mehr als Senioren bezeichnen. Dieses Etikett führt zu leicht dazu, dass älteren Menschen ihre Stellung als vollwertiges Mitglied im gesellschaftlichen Miteinander aberkannt wir.

„Kinder sind unsere Zukunft“ – das hört man in der Politik des Öfteren. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Zur ganzen gehört: Auch die Alten sind „unsere Zukunft“. Denn die Zukunft ist das Alter. Der Respekt vor den Kindern und der Respekt vor den Alten gehören zusammen. Er ist das Band, welches das Leben umspannt. Zu diesem Respekt gehört es, dass Alte auch in Ruhe ver-rückt werden dürfen. Das rückt die Gesellschaft gerade.

Quellenangaben: Rudi Westendrop, in Alt werden ohne alt zu sein und Heribert Prantl, in Alt.Amen.Anfang